Begeisterter Applaus für „misslungenes“ Konzert
Musik: Organist Andreas Brencic und Sprecherin Irene Halenka machen aus „Peter und der Wolf“ ein besonderes Erlebnis
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MICHELSTADT. Als Orgelkonzert für Kinder und Erwachsene mit dem Wiener Organisten Andreas Brencic und der ebenfalls aus der österreichischen Hauptstadt stammenden Sprecherin Irene Halenka war das Konzert im Zuge des Michelstädter Orgelzyklus angekündigt worden. Zugleich sollte es das Sommerkonzert des Odenwälder Lions-Club sein. Im Wechselspiel von Musik und Text wollten die beiden Künstler das musikalische Märchen „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew in der Textfassung von Loriot vortragen.

Bereits bei seinen Begrüßungsworten musste Initiator Hans-Joachim Dumeier jedoch das Fehlen der angekündigten Sprecherin bedauern. Sie sei kurzfristig ausgefallen und noch wisse man nicht, wie man das Konzert trotzdem irgendwie hinbekommen könne. So beschloss Andreas Brencic spontan, allein mit dem Konzert zu beginnen. Dennoch machte sich erste Enttäuschung breit: Wie sollte man ohne Erzählerin allein anhand der Musik der Geschichte von Peter und dem Wolf folgen können? Vor allem für die zahlreichen Kinder drohte das ersehnte Orgelkonzert zu einem langweiligen Ereignis zu werden.

Plötzlich wurde das Spiel Brencics jedoch durch eine in die Kirche stürmende junge Frau in bunter, alltäglicher Kleidung unterbrochen. „Entschuldigung, ich bin jetzt da“, rief sie nach oben zu dem Organisten, dessen Name ihr scheinbar nicht geläufig war. Sie sei auch nicht die angekündigte Irene, sondern Maria, gestand sie weiter. Sie wolle für ihre verhinderte Freundin kurzfristig einspringen. Da sie mit der Geschichte von „Peter und dem Fuchs“ offensichtlich nicht sehr vertraut war, begann sie, den Organisten nach seinem Instrument zu befragen. Brencic unterbrach sein Spiel, um Maria und den Kindern die Funktion der 2000 Pfeifen umfassenden Orgel zu vermitteln. Dazu brachte er fünf verschiedene Pfeifen mit nach unten, um mit Hilfe von Freiwilligen eine kleine Kinderorgel nachzubauen. Mit viel Humor und Einfühlungsvermögen gelang es der Schauspielerin und dem Organisten, die volle Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen und kindgerecht, aber auch interessant für die Erwachsenen, die Technik der Orgel zu erläutern.

Als Maria unvermittelt einfiel, dass sie eigentlich nicht viel Zeit habe und schon bald wieder gehen müsse, beschlossen beide, nun doch mit „Peter und der Wolf“ zu beginnen. Doch schon bald unterbrach sie Brencics Spiel wieder mit einem Zwischenruf. Der scheinbar nicht abgesprochene Konzertablauf wirkte überzeugend glaubwürdig und sorgte dafür, dass in keinem Moment Langeweile aufkam. Immer wieder wurden die Kinder durch kurze Fragen einbezogen, was das Programm zusätzlich belebte.

In einem dritten Anlauf trugen Brencic und Halenka schließlich die Geschichte von Peter vor, dem es mit Hilfe einer auf den Baum geflüchteten Katze und eines kleinen Vogels gelingt, den Wolf, der eine Ente lebendig verspeist hatte, abzulenken und mit einem Seil einzufangen. Jeder Figur der Geschichte wurde dabei eine eigentümliche Klangfarbe und ein eigenes musikalisches Thema zugeordnet. Gerieten die Figuren miteinander in Kontakt, so verschränkten sich auch ihre eingängigen musikalischen Themen.

Brencics bildhaft lebendiges Spiel wurde auf gleichem Niveau von Irene Halenkas fesselnder Erzählung ergänzt. Mit sympathischem österreichischen Akzent und klarer, durchdringender Aussprache belebte die Sprecherin und Schauspielerin jede Figur durch einen eigenen charakteristischen Tonfall.

Und so entwickelte sich das anfangs scheinbar missglückte Konzert zu einem ungemein unterhaltsamen Erlebnis für Jung und Alt, für das sich das zahlreich erschienene Publikum mit begeistertem Applaus bei den beiden Wiener Künstlern bedankte.

Elena Garcia-Fernandez
9.9.2009
Odenwälder Echo
echo-online.de


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